Eigentum vs. Miete Wie Deutschland 2026 im europäischen Wohn-Vergleich abschneidet

Eigentum vs. Miete: Wie Deutschland 2026 im europäischen Wohn-Vergleich abschneidet

Deutschland gilt seit Langem als Land der Mieterinnen und Mieter – und die aktuellen Zahlen bestätigen dieses Bild eindrucksvoll. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland bei der Wohneigentumsquote eine Sonderstellung ein, die tief in Geschichte, Wohnungspolitik und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verwurzelt ist. Ein Blick auf die aktuellen Daten von Destatis und Eurostat.

Deutschland: Mieterland Nummer eins in der EU

Nach der jüngsten Auswertung des Statistischen Bundesamts auf Basis von Eurostat-Daten lebte 2025 mit 52,8 Prozent über die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland zur Miete – der höchste Anteil in der gesamten Europäischen Union. Zum Vergleich: In Frankreich lag der Mieteranteil bei 38,6 Prozent, in Spanien bei 26,4 Prozent und in Polen bei nur 12,8 Prozent. Den niedrigsten Mieteranteil der EU verzeichnete die Slowakei mit lediglich 6,2 Prozent. Außerhalb der EU liegt einzig die Schweiz mit einem Mieteranteil von rund 57 Prozent noch vor Deutschland.

Entsprechend niedrig fällt im Gegenzug die Wohneigentumsquote aus. Sie lag 2025 nach Eurostat-Zahlen unverändert bei rund 47,2 Prozent und ist damit die niedrigste unter allen EU-Mitgliedstaaten. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt lebten 2024 rund 68 Prozent der Menschen im eigenen Haus oder in der eigenen Eigentumswohnung. Besonders hoch ist die Eigentumsquote in mittel- und osteuropäischen Ländern: Rumänien führt mit rund 94 Prozent, gefolgt von der Slowakei mit etwa 93 Prozent. Selbst Frankreich, das häufig als ähnlich „mietergeprägt“ wahrgenommen wird, liegt mit rund 63 Prozent deutlich vor Deutschland.

Ein sinkender, nicht steigender Trend

Bemerkenswert ist, dass die deutsche Wohneigentumsquote nicht etwa wächst, sondern seit Jahren stagniert oder sogar leicht zurückgeht. 2011 erreichte sie mit rund 53,4 Prozent ihren historischen Höchststand, seither ist sie trotz einer langen Niedrigzinsphase gesunken. Nach der amtlichen Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 lag die Eigentümerquote – der Anteil des selbst genutzten Wohneigentums am gesamten Wohnungsbestand – bundesweit bei 44,3 Prozent, gegenüber 42,6 Prozent beim Zensus 2011. Besonders deutlich ist der Rückgang bei jüngeren Haushalten: Vor dem Immobilienboom, der um 2008 einsetzte, lag die Eigentümerquote der 25- bis 44-Jährigen noch bei rund 32 Prozent, 2022 waren es nur noch etwa 26 Prozent.

Regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands

Auch innerhalb Deutschlands variiert die Wohneigentumsquote erheblich. Die höchsten Werte erreichen die Flächenländer im Westen und Süden: Das Saarland führt mit knapp 60 Prozent Eigentumsquote, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Am unteren Ende steht Berlin, wo laut Statistischem Bundesamt nur rund 16 Prozent der Wohnungen selbst genutztes Eigentum sind – ein Wert, der selbst im gesamteuropäischen Vergleich zu den niedrigsten zählt. Generell liegt die Eigentumsquote in Ostdeutschland mit rund 35 Prozent weiterhin deutlich unter dem westdeutschen Niveau von etwa 46 Prozent, auch wenn sich der Abstand seit der Wiedervereinigung leicht verringert hat.

Warum deutsche Mieter besonders belastet sind

Die hohe Mieterquote hat direkte Folgen für die finanzielle Belastung der Haushalte. Nach der europäischen Erhebung EU-SILC lebten 2025 rund 11,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in Haushalten, die durch Wohnkosten überbelastet waren – das heißt, sie mussten mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aufwenden. Der EU-Durchschnitt lag im selben Jahr bei nur 7,7 Prozent. Deutschland liegt damit trotz seines vergleichsweise hohen Wohlstandsniveaus deutlich über dem europäischen Mittel.

Der Grund dafür ist struktureller Natur: In einem Mieterland wie Deutschland tragen Haushalte ihre Wohnkosten dauerhaft, Monat für Monat, während Eigentümerhaushalte in vielen anderen EU-Staaten nach vollständig abbezahltem Kredit kaum noch laufende Wohnkosten haben. Wo die Eigentumsquote hoch ist, sinkt die durchschnittliche Wohnkostenbelastung der Bevölkerung dadurch tendenziell automatisch – unabhängig vom tatsächlichen Wohlstandsniveau eines Landes.

Innerhalb Deutschlands zeigt sich diese Ungleichheit besonders deutlich zwischen Einkommensgruppen: Mieterhaushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.500 Euro wandten zuletzt rund 44,6 Prozent dieses Einkommens allein für die Nettokaltmiete auf, während Haushalte mit einem Einkommen ab 4.000 Euro nur etwa 15,9 Prozent aufbringen mussten. Der bundesweite Durchschnitt aller Mieterhaushalte lag bei rund 27,9 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für die Nettokaltmiete.

Warum die Eigentumsquote in Deutschland so niedrig bleibt

Für die niedrige und stagnierende Wohneigentumsquote werden mehrere strukturelle Gründe genannt. Zum einen sind die Kaufnebenkosten in Deutschland im internationalen Vergleich hoch, unter anderem durch Grunderwerbsteuer, Notar- und Maklerkosten. Zum anderen ist der Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt seit den 2010er-Jahren besonders für einkommensschwächere Haushalte zur Hürde geworden: Der Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum stieg zwischen 2010 und 2022 um rund 68 Prozent, bis 2025 sogar um rund 90 Prozent. Analysen der Landesbausparkassen-Forschung gehen davon aus, dass die Wohneigentumsquote in Deutschland ohne grundlegende Änderungen bei Förderung und Kaufnebenkosten bis 2030 nur minimal steigen wird.

Fazit

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland auch 2026 ein Sonderfall: Mit der niedrigsten Wohneigentumsquote und dem höchsten Mieteranteil der gesamten EU unterscheidet sich das Land grundlegend von den meisten Nachbarstaaten, in denen Wohneigentum die Regel und nicht die Ausnahme ist. Diese Struktur erklärt zugleich, warum die Wohnkostenbelastung der Bevölkerung in Deutschland trotz hohen Wohlstands überdurchschnittlich hoch ausfällt: Wo dauerhaft gemietet statt einmalig gekauft wird, bleibt die monatliche finanzielle Belastung für viele Haushalte bestehen – ein struktureller Unterschied, der sich kurzfristig kaum auflösen lässt.


Quellen

Stand der Zahlen: August 2026. Angaben zur Wohneigentumsquote basieren auf Eurostat-Erhebungen (EU-SILC) sowie dem Zensus 2022 und können methodisch leicht voneinander abweichen.