Pendler in Deutschland Statistik 2026 Entfernungen, Verkehrsmittel und Stau-Zeiten im Vergleich

Pendler in Deutschland Statistik 2026: Entfernungen, Verkehrsmittel und Stau-Zeiten im Vergleich

Millionen Menschen in Deutschland legen jeden Tag einen Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zurück. Wie weit dieser Weg ist, mit welchem Verkehrsmittel er zurückgelegt wird und wie viel Zeit dabei im Stau verloren geht, zeigen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts sowie ergänzende Auswertungen von Bundesagentur für Arbeit, ADAC und Verkehrsdatenanbietern.

Wie viele Menschen pendeln überhaupt

Nach Auswertungen des Deutschlandatlas auf Basis der Beschäftigungsstatistik pendelten 2023 rund 20,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte über Gemeindegrenzen hinweg zwischen Wohn- und Arbeitsort – ein deutlicher Anstieg gegenüber 17,2 Millionen im Jahr 2013. Damit gelten inzwischen 59,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten als Pendlerinnen und Pendler. Die Zahl der Pendelnden ist damit in zehn Jahren um fast ein Fünftel gewachsen – deutlich stärker als die Zahl der Beschäftigten insgesamt, die im selben Zeitraum um 17,1 Prozent zunahm.

Wie weit der Arbeitsweg im Durchschnitt ist

Der durchschnittliche einfache Arbeitsweg liegt nach den jüngsten Auswertungen des Statistischen Bundesamts bei 17,2 Kilometern – ein Anstieg gegenüber 16,5 Kilometern im Jahr 2013 und 15,2 Kilometern im Jahr 2002. Die Verteilung der Entfernungen ist dabei sehr unterschiedlich: Rund ein Viertel der Pendelnden legt weniger als 5 Kilometer zurück, ein weiteres knappes Viertel zwischen 5 und 10 Kilometer, während knapp 30 Prozent zwischen 10 und 25 Kilometer pendeln. Auch von Großstadt zu Großstadt wird zunehmend gependelt: 23,5 Prozent der Pendelnden in Großstädten kamen aus einer anderen Großstadt. Die Zahl der Menschen, die aus der Großstadt ins Umland pendeln, hat sich zwischen 2000 und 2023 von 1,2 auf knapp 2,1 Millionen fast verdoppelt, bleibt in absoluten Zahlen aber vergleichsweise gering.

Wie viel Zeit der Arbeitsweg kostet

Beim Zeitaufwand zeigt sich ein differenziertes Bild. Nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2024 benötigte der Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – 70 Prozent – weniger als 30 Minuten für den einfachen Weg zur Arbeit. Knapp jede fünfte Person (19 Prozent) pendelte in weniger als 10 Minuten, die Hälfte (50 Prozent) brauchte 10 bis unter 30 Minuten. Etwa ein Viertel (23 Prozent) benötigte mehr als 30 Minuten, aber weniger als eine Stunde. Nur 6 Prozent pendelten täglich eine Stunde oder länger – für sie bedeutet der Arbeitsweg einen erheblichen Teil des Tages.

Das Auto bleibt das wichtigste Verkehrsmittel

Trotz Deutschlandticket und wachsendem Umweltbewusstsein bleibt der Pkw für die meisten Berufspendelnden die erste Wahl. Nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2024 fuhren 65 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer normalerweise mit dem Auto zur Arbeit. Öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn nutzten 16 Prozent, mit dem Fahrrad fuhren 10 Prozent, zu Fuß gingen 7 Prozent der Pendelnden.

Auffällig ist die Entwicklung im Vergleich zu 2020: Damals hatte der Auto-Anteil noch bei 68 Prozent gelegen, der ÖPNV-Anteil dagegen nur bei 14 Prozent. Das Statistische Bundesamt führt den leichten Zuwachs beim öffentlichen Nahverkehr unter anderem auf die Einführung des Deutschlandtickets im Jahr 2023 zurück, das von vielen Arbeitgebenden bezuschusst oder vollständig übernommen wird.

Bemerkenswert ist zudem, wie stark das Auto auch auf kurzen Strecken genutzt wird. Für Wege unter 5 Kilometern gaben 2024 immerhin 37 Prozent der Pendelnden an, normalerweise das Auto zu nutzen. Auf Strecken von 5 bis unter 10 Kilometern stieg dieser Anteil sogar auf 65 Prozent. Der öffentliche Nahverkehr spielt gerade auf kurzen Distanzen eine untergeordnete Rolle: Auf Strecken unter 5 Kilometern nutzten nur 10 Prozent Bus, Bahn oder Tram, auf Strecken von 5 bis unter 10 Kilometern waren es 21 Prozent.

Wo besonders viele Menschen einpendeln

Bei den absoluten Einpendlerzahlen führen die großen Wirtschaftszentren des Landes. Nach Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit verzeichnete München mit rund 530.000 Einpendlerinnen und Einpendlern die höchste Zahl, gefolgt von Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg und Köln. Diese Städte sind gleichzeitig meist auch bedeutende Auspendlerstandorte, da viele Beschäftigte dort wohnen, aber außerhalb arbeiten, oder umgekehrt.

Stau-Statistik: Wie viel Zeit im Verkehr verloren geht

Wer mit dem Auto pendelt, verliert regelmäßig Zeit im Stau – und diese Zeit nimmt tendenziell zu. Nach der ADAC Staubilanz 2025 registrierte der Automobilclub bundesweit rund 496.000 Staus mit einer Gesamtdauer von rund 478.000 Staustunden auf deutschen Autobahnen, ein Anstieg von rund 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl die Zahl der einzelnen Staus leicht zurückging. Die Gesamtstaulänge lag bei rund 866.000 Kilometern. Als Hauptursache nennt der ADAC vor allem Baustellen, die aufgrund des Sanierungsbedarfs an Brücken, Tunneln und Fahrbahnen auch 2026 ein zentrales Thema bleiben dürften.

Der Verkehrsdatenanbieter Inrix kommt in seiner Global Traffic Scorecard für 2025 zu einem ähnlichen Bild aus individueller Perspektive: Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland verloren demnach im Durchschnitt 47 Stunden durch Verkehrsstaus – vier Stunden mehr als im Vorjahr. Die dadurch entstehenden Kosten bezifferte Inrix auf rund 750 Euro pro Fahrer und insgesamt 5,3 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft. Als staureichste Stadt Deutschlands löste Köln im Jahr 2025 mit 67 verlorenen Stunden pro Fahrer die bisherige Spitzenreiterin Berlin ab.

Fazit

Das Pendeln bleibt in Deutschland fest im Alltag verankert und wird tendenziell eher aufwendiger als einfacher: Die Zahl der Pendelnden wächst schneller als die Beschäftigung insgesamt, die Distanzen werden im Schnitt länger, und die Zeit, die im Stau verloren geht, nimmt weiter zu. Zwar gewinnt der öffentliche Nahverkehr seit der Einführung des Deutschlandtickets leicht an Bedeutung, das Auto bleibt jedoch mit deutlichem Abstand das dominierende Verkehrsmittel – selbst auf Strecken, die sich grundsätzlich auch mit Fahrrad oder ÖPNV zurücklegen ließen.


Quellen

Stand der Zahlen: August 2026. Angaben zum Mikrozensus 2024/2025 basieren teils auf Erstergebnissen, die bei endgültiger Auswertung noch leicht angepasst werden können.